Norderney / Quarantäne Tag 14

Quarantäne Norderney – 14 Tage isoliert. Die Insulaner dürfen nicht mehr aufs Festland und Festländer nicht mehr auf die Insel. Notizen von Norderney Norderney Isolationsende Heute ist der letzte Tag der Isolation und heute ist der erste richtig tolle Frühlingstag. Zwar dürfen ab morgen alle Insulaner wieder auf das Festland (und zurück!) und alle Pendler und Handwerker wieder an ihren Arbeitsplatz aber Gäste müssen weiterhin auf dem Festland bleiben. Die Lockerung wurde in den Sozialen Medien so negativ aufgenommen, dass der Bürgermeister sich genötigt sah hierzu etwas zu sagen*. Wahrscheinlich muß man sich an die schrittweise Lockerung der Beschränkungen auch ein wenig gewöhnen. Insulaner unter sich Man hat immer gedacht man kennt alle auf der Insel. Aber nach jedem Spaziergang hat man viele Gesichter gesehen, die man gefühlt noch nie gesehen hat. Von dem Gedanken, dass man alle kennt haben sich in den letzten zwei Wochen viele Insulaner verabschiedet. Es gibt halt viel Saisonpersonal und Neuinsulaner ( sei es durch einen Job auf der Insel aber auch viele Festländer die ihren Lebensabend hier verbringen) und natürlich wächst auch immer was nach :) Lagerkoller? Nein! Dadurch, dass das Wetter schon sehr schön war und sich die Quarantäne auf die Insel und nicht auf die Wohnung / das Haus bezog waren die 14 Tage recht gut auszuhalten. Viele Insulaner entdeckten die Insel neu für sich. Wrack am Ostende Das Wrack und der Strand haben wahrscheinlich noch nie so viele Einheimische gesehen wie in den letzten zwei Wochen. Netterweise hat der örtliche Baumarkt (Garrels) einen Lieferservice angeboten, so konnte man diverse handwerkliche Projekte fertigstellen. Ansonsten: Aufräumen und Putzen geht immer, an allen Ecken hört man die Kärcher  brummen. Existenzängste? Die wirtschaftlichen Seiten der Coronakrise treffen die Insel hart. Kurz vor der Saison ist der warme Regen, den die Osterurlauber bringen nötig. Alle Insulaner leben vom Tourismus. Den April haben eigentlich schon alle abgeschrieben - der Mai kann vielfach nicht auch noch verschmerzt werden. Hier geht es nicht darum, auf Gewinn zu verzichten sondern um die nackte Existenz. Osterfeuer / Ostern fällt aus Die meisten Gespräche der Insulaner drehen sich dennoch nicht um die wirtschaftlichen Auswirkungen, sondern es geht mehr um die merkwürdige Situation auf der Insel so ganz ohne Gäste. Man kann sich einfach nicht daran gewöhnen, es fühlt sich irgendwie falsch an....... Corona Infizierte Der vierte Tag in Folge ohne Neuinfektion. Es bleibt bei 2 Insulanern. Link zu den aktuellen Zahlen des Landkreises. --- Wir hoffen, dass es nicht noch mal zu einer Quarantäne kommt und wünschen allen Gesundheit! --- Statement des Bürgermeisters: Landkreis lockert Zugangsbeschränkungen zu den Inseln! Gestern Nachmittag ereilte uns zusammen mit einer neuen Allgemeinverfügung folgende Nachricht vom Landkreis Aurich: Der Landkreis Aurich lockert die Restriktionen für die Inseln. So werden die bestehenden Ausgangsbeschränkungen für Insulaner aufgehoben. Das heißt: Ab Montag, 6. April 2020, dürfen Personen, die ihren ersten Wohnsitz auf Norderney, Juist oder Baltrum haben, die Inseln wieder verlassen bzw. vom Festland auf die Insel fahren. Und auch Firmen, die auf der Insel tätig sind, können dort wieder arbeiten. Bislang war dies als Ausnahme auf die „kritische Infrastruktur“ beschränkt. Urlauber und Zweitwohnungsbesitzer sind von der Lockerung ausdrücklich ausgenommen. Für sie gilt weiterhin ein Beförderungsverbot. Diese Mitteilung stößt bei uns Einheimischen erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo. Waren viele Bürgerinnen und Bürger gerade noch erleichtert ob der hoheitlichen Konsequenz hinsichtlich der Durchsetzung von Aufenthaltsverboten für Touristen und Zweitwohnungsbesitzer, macht sich nach zehn wirklich ruhigen Tagen und einem signifikanten Rückgang der akuten Infektionen seit wenigen Stunden in Teilen der Bevölkerung eine große Beunruhigung breit: Die Rückkehr des Coronavirus durch Berufspendler wird befürchtet. Das Verständnis für diese neue Verfügung des Landkreises hält sich sehr in Grenzen. Es wird mitunter sogar die Rücknahme der entsprechenden Verfügung eingefordert. Als Bürgermeister, der ich in jeder Angelegenheit grundsätzlich immer der erste Ansprechpartner bin, möchte ich den Versuch wagen, die Entscheidung des Landkreises aus meiner Sicht zu erklären: Am 22.03.20 hatte der Landkreis die verschärften Zugangsbeschränkungen zu den Inseln Norderney, Juist und Baltrum verfügt, womit der Bewegungsradius der einheimischen Bevölkerung außerhalb ihrer Insel erheblich eingeschränkt wurde. Hintergrund war die gewonnene Erkenntnis, dass aufgrund der eingeschränkten intensivmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten auf den Inseln eine erhöhte Ausbreitungsdynamik positiv beeinflusst werden muss. Der Landkreis wollte in jedem Fall einen Hotspot auf den Inseln vermeiden. Die Verlaufskurve von Neuinfektionen sollte möglichst flach gehalten werden, um die Krankenhauskapazitäten nicht zu überlasten. Eine vollständige „Coronafreiheit“ kann mit den heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nicht gewährleistet werden. Mit dieser Verfügung wurden die verfassungsrechtlich geschützten Freiheitsrechte der insularen Bevölkerung maßgeblich beeinträchtigt, wie nirgendwo sonst bei uns im Land. Auch ein Großteil der übrigen deutschen Inseln (Landkreise) hatte von solch weitreichenden Entscheidungen abgesehen. In solchen Pandemiesituationen sind derartige Einschränkungen aber grundsätzlich zulässig. Es hat sich zudem gezeigt, dass es auch insgesamt eine recht hohe Akzeptanz für diese Einschränkungen gab. Allerdings erfordert eine solche Maßnahme, dass diese fortlaufend auf ihre Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit vor dem Hintergrund des angestrebten Ziels überwacht und im Zweifel zurückgenommen wird, falls sie nicht mehr zwingend erforderlich ist. Das Ziel war die Eindämmung der Neuinfektionen durch eine Minimierung des Ansteckungsrisikos.Tatsächlich haben wir heute noch eine Anzahl von zwei Coronainfiziierten auf Norderney, die erfreulich niedrig ist. Damit wird deutlich, dass die Maßnahmen der letzten Wochen gegriffen haben. Der Landkreis war daher gehalten, die starken Einschränkungen der Grundrechte vor dem Hintergrund des bislang erreichten Ziels und des Risikos von Neuinfektionen durch eine Lockerung der Zugangsbeschränkungen abzuwägen - auch aufgrund der Tatsache, dass sich in den letzten Tagen mehr und mehr Insulaner nicht mehr so wirklich mit diesen Einschränkungen anfreunden konnten. Gründe waren hier u. a. wochenlange Familientrennungen und existenziell notwendige Fahrten auf das Festland. Die vorgenannte Lockerung des Zugangsverbotes wurde seitens des Landkreises mit dem Gesundheitsamt abgestimmt, das ausdrücklich zugestimmt hatte. Die prognostische Beurteilung der Situation ist heute eine andere, als noch vor zwei Wochen. Ohne Zweifel ist es in einer solchen Ausnahmesituation niemals möglich, es allen und jedem Recht zu machen. Zu unterschiedlich und vielfältig sind die Interessenslagen, zu schwierig ist es für den Einzelnen, sich in die Schuhe des Anderen zu stellen. Es gibt keine rechnerische Größe, keine Erfahrungswerte, keine Datengrundlage, die in dieser nie dagewesenen Krisensituation nur eine einzige korrekte Entscheidung bedingen würde. Was dennoch bleibt, ist ein ungutes Gefühl! Die Angst, doch nicht alles getan zu haben, die Gefahr abzuwenden. In einer sich stabilisierenden Lage leichtsinnig geworden zu sein. Daher kann man diese Entscheidung auch nicht pauschal als richtig oder falsch bewerten. Sie beruht nach neuer Einschätzung der Lage in erster Linie auf rechtlichen Erwägungen. Wir haben ab Montag immer noch mehr Einschränkungen in Kauf zu nehmen, als jede andere Insel oder Kommune auf dem Festland. Natürlich gilt nach wie vor, dass die Gesundheit der Bevölkerung über allem stehen muss. Wichtig wird es daher sein, die nach wie vor geltenden Kontaktverbote strikt einzuhalten und das auf der Insel in den letzten Wochen gelebte soziale Miteinander auf der Basis räumlicher Distanz weiterzuleben und aufeinander acht zu geben. Sollten sich die Coronainfektionen tatsächlich wieder nach oben entwickeln, dann muss darauf sehr kurzfristig reagiert werden, und zwar genauso, wie es in den letzten Wochen nahezu täglich geschehen ist. Ich werde selbstverständlich aus dem Rathaus weiterhin alles in meiner Macht stehende dazu beitragen, die gegenwärtigen Einschränkungen, da wo es möglich ist, abzumildern. Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, bleiben Sie bitte alle gesund! Ihr Bürgermeister Frank Ulrichs   Der Beitrag Norderney / Quarantäne Tag 14 erschien zuerst auf Norderney Nordsee-Magazin.

Mutmacher-Lieder von der See

Der Borkumer Albertus Akkermann schickt zu Corona-Zeiten Mutmacher-Lieder von der See. Jeden Abend spielt und singt er ein Lied an der Promenade der westlichsten ostfriesischen Insel. Wer zurzeit an die Wohnung gebunden ist, hat jetzt oft auch Zeit für anderes. Zum Beispiel zum Lesen, Handarbeiten oder Basteln. Viele aber sehen jetzt mehr fern oder sind viel zu oft im Internet unterwegs. Wer sich über die sozialen Medien, über digitale Nachrichten und im Fernsehen über das Thema der Stunde informiert, kann schon ganz schön schlecht drauf kommen. Hauskonzerte im Internet Denn über Corona gibt es leider wenig Positives zu berichten. Aber es gibt auch ebenso viel Erfreuliches. Denn man kann sich im Internet in Corona-Zeiten auch Gutes tun und muss nicht auf Kultur verzichten. Viele Musiker geben Hauskonzerte, so wie der Pianist Igor Levit. Es gibt virtuelle Museumsführungen oder Theateraufführungen im Internet. Youtube-Videos aus Borkum Und wer das Meer und die ostfriesischen Inseln vermisst, wird im Internet ebenfalls musikalisch fündig: Dort gibt es ein tägliches Mutmacher-Lied von Albertus Akkermann. Der maritime Verlag „Ankerherz“, der seinen Sitz in Hollenstedt zwischen Bremen und Hamburg hat, verlinkt die Youtube-Videos von Albertus Akkermann. Mit dem Akkordeon an der Promenade Der Borkumer Wattführer mit der sonoren Stimme setzt sich an jedem Tag an die Borkumer Promenade, schnallt sich sein Akkordeon um und singt ein Lied für die Menschen, die Sehnsucht nach dem Meer haben. Er singt für alle, die darauf warten, dass sie wieder rausgehen und endlich wieder ans Meer reisen dürfen. Ihnen allen bringt er in diesen Tagen das Meer nach Hause. Akkermann liebt die niederdeutsche Musik, plattdeutsche Volksweisen, Irisches und Schottisches. Er überträgt Texte ins Plattdeutsche und komponiert eigene Stücke. https://www.youtube.com/watch?v=6TfU_yrWls4 2013 ist Albertus Akkermann auf Norderney im Brauhaus aufgetreten. Deutsch, Englisch und Plattdeutsch Seine Corona-Mutmacher-Lieder startete er am 19. März mit dem Lied „Übers Meer“ von Rio Reiser. Seitdem hat der Borkumer an jedem Tag eines seiner Lieblingslieder gesungen – auf Deutsch, auf Englisch oder Plattdeutsch. Hollt ji munter! „Dat du min Leevsten büst“ ist ebenso dabei wie „Töwerland“, das Lied der Juister. Albertus singt über „Danny Boy“, über den „Hafen von Amsterdam“ oder über das „Fiddler‘s Green“. Es sind Lieder von der See, von Fischern, Matrosen und Insulanern. Jedes Video endet mit den Worten: „Hollt ji munter und lat ji ne unnerkriegen!“ Bleibt gesund und lasst euch nicht unterkriegen! Der Beitrag Mutmacher-Lieder von der See erschien zuerst auf Norderney Nordsee-Magazin.

Norderney / Quarantäne Tag 13

Quarantäne Norderney – 13 Tage isoliert. Die Insulaner dürfen nicht mehr aufs Festland und Festländer nicht mehr auf die Insel. Notizen von Norderney Norderney Isolationsende Frisia Norderney Isolationsende - Die Frisia war früher nicht dafür bekannt, sich ändernden Erfordernissen schnell anzupassen. Jahrelang fuhr sie sonntags (im Winter - Bericht zum neuen Winterfahrplan 2013) mit einem echten Notfahrplan. Das einzige Schiff welches hin- und herfuhr war so überfüllt, dass es noch nicht mal Sitzplätze für alle Reisende gab. Das ist vorbei! Digital, flexibel und modern wie die Reederei nun ist, hat sie innerhalb kürzester Zeit den Fahrplan angepasst. Erst am 2.4. wurde das Isolationsende für die Norderneyer angekündigt - sie dürfen ab Montag die Insel wieder verlassen und hier arbeitende Festländer dürfen wieder auf die Insel kommen. Schon kurz nach Bekanntgabe der gelockerten Zugangsbeschränkung veröffentlichte die Frisia den neuen Fahrplan, der dem zu erwartenden höheren Aufkommen entspricht. Viele Insulaner befürchten nun, dass mit festländischen Arbeitern auch neue Infektionen auf die Insel kommen, tatsächlich aber ist die Infektionsrate auf dem Festland nicht höher als die der Insel. Ab Montag gibt es wieder einen Fahrplan der den ganzen Tag abdeckt! Da es weiterhin eine Reservierungspflicht (für Autos) für die Strecke Norddeich --> Norderney gibt hätte man sich natürlich eine Anzeige für die Kfz-Auslastung gewünscht, vielleicht kommt sie ja noch :) Isolationsende - Juist wehrt sich Die wenigsten Infizierten (Null!) und das seit fast 2 Wochen haben Juist und Baltrum. Auf Juist läuft die Bevölkerung Sturm gegen die Lockerung der Zugangsbeschränkung für die Insel. Die Insulaner haben anscheinend sehr große Angst zu einem Infektions-hot-spot zu werden.* Norderney Infizierte Die Zahl der Infizierten bleibt bei 2. *Brief der Juister: Sehr geehrte Damen und Herren, An dieser Stelle möchten wir Ihnen allen beim Landkreis Aurich, der Polizei Juist und der Gemeinde Juist herzlich danken für alle Einspannungen und Mühe, die Sie sich geben, gegeben haben und leider bestimmt noch geben müssen in dieser außerordentlichen Zeit. Die Insel ist gesperrt und das ist gut so. Mit der Sperrung der Insel sind wir sehr glücklich, es ist das einzig vernünftige was in dieser Zeit gemacht werden kann und bietet uns als Insulanern den größtmöglichen Schutz der momentan möglich ist. Dieser Sperrung sehen wir nicht als einengend, im Gegenteil man könnte es als Geschenk betrachten. Juist ist Coronafrei und das soll es bitte auch bleiben. Bleiben Sie bitte am Ball und erhalten Sie die Sperre aufrecht. Die Coronafreie Zone ist ein Alleinstellungsmerkmal, welches nicht nur als optimaler Schutz dienen könnte, sondern es ist gerade die Coronafreie Zone, die auch für die Zeit danach für uns als Insulaner äußerst wichtig sein könnte. Genau dieses sollte gepflegt und gehegt werden. Deshalb bitten wir Sie die Sperre aufrechtzuerhalten und die Einhaltung der Sperre mittels intensiver Maßnahmen zu kontrollieren. Momentan sind genau diese Kontrollen unseres Erachtens verbesserungsfähig und sollten wenigstens beim Ein- und Auslass der Insel optimiert werden. Der Transit nach Juist nimmt in zunehmenden und unüberschaubaren Maßen zu und die Kontrollen lassen nach. Beides sollten unbedingt vermieden werden. Sie haben schon vieles geschafft, das schaffen Sie bestimmt auch. Wir vertrauen auf Sie! Bleiben Sie gesund! Herzliche Grüße von Juist, Christof Lehniger Nandya Lehniger-Barels Der Beitrag Norderney / Quarantäne Tag 13 erschien zuerst auf Norderney Nordsee-Magazin.

 
09.04.»