
News von Norderney
Wirtschaft
12.08.2026
Elektroautos als Stromspeicher
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat am Montag in Norddeich den ersten Prototyp einer Ladesäule für das bidirektionale Laden offiziell in Betrieb genommen. Damit werden parkende Elektroautos als Stromspeicher, die den vollelektrischen Katamaran Frisia E-1 mit Energie versorgen, so die Mitteilung der Reederei Norden Frisia. Der E-Katamaran sei das erste elektrisch betriebene Seeschiff unter deutscher Flagge. Das Volkswagen Werk Emden habe für die Erprobung des Forschungsprojekts ein Elektrofahrzeug des Modells ID.7 zur Verfügung gestellt, das bereits über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügt.
Selbst erzeugte Energien
Der E-Kat ist seit 2025 im Einsatz. Er wird mit einem möglichst hohen Anteil an von der Reederei selbst erzeugten, erneuerbaren Energien betrieben. Um diesen Anteil weiter zu erhöhen, ist im September 2025 gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück das Forschungsprojekt zum bidirektionalen Laden gestartet. Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit 164.894 Euro gefördert und läuft bis Januar 2027.
Autos als Zwischenspeicher
Technischer Ansatz sei ein sogenanntes Vehicle-to-Grid-System (V2G). „Dabei werden die Batterien der Autos, welche die Ladestationen auf den Parkplätzen der Frisia nutzen, als Zwischenspeicher in die Beladung des E-Kats eingebunden.“ Gemeinsam mit Ministerpräsident Olaf Lies gaben Umweltminister Christian Meyer, der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, der Leiter des Volkswagen Werks Emden, Enno Fehse, Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann sowie Prof. Hans-Jürgen Pfisterer von der Hochschule Osnabrück am Montag den Startschuss für den Praxisbetrieb.
Energiewende zum Anfassen
„Was hier in Norddeich entsteht, ist Energiewende zum Anfassen“, sagte Ministerpräsident Olaf Lies. „Eine elektrische Seefähre, die mit Strom aus parkenden Elektroautos aus Emder Produktion versorgt wird, zeigt ganz konkret, wie die Zukunft von Mobilität und Energie aussehen kann. Hier wird Zukunft nicht diskutiert, sondern gemeinsam von Wissenschaft und Wirtschaft praktisch erprobt. Dieses Projekt zeigt, welche Innovationskraft in Niedersachsen steckt und was möglich ist, wenn Forschung und Unternehmen an einem Strang ziehen.“
Geschlossener Kreislauf
Umweltminister Christian Meyer hob die Bedeutung für den Klimaschutz hervor. „Direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Sonnenstrom, Elektroautos und emissionsfreier Schifffahrt. Dieses Projekt ist beispielgebend für den Weg in eine dekarbonisierte Mobilität. Es entlastet die Stromnetze, spart CO² und beweist, dass Klimaschutz und starke regionale Wirtschaft keine Gegensätze sind“, so Meyer.
From Emden with Love
Das Erprobungsfahrzeug, ein ID.7 mit der Aufschrift „from Emden with Love“, wurde im Volkswagen Werk Emden gefertigt und mit einer speziellen Software ausgestattet, die das bidirektionale Laden ermöglicht. So kann das Auto Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben – beispielsweise an das Ladesystem des E-Katamarans. „Dass die Zukunft des bidirektionalen Ladens vor unserer Haustür erprobt wird, macht die Emder Mannschaft stolz. Elektromobilität made in Ostfriesland – das ist unser Anspruch“, so Werkleiter Enno Fehse.
600 Plätze geplant
Die Reederei hat am Norddeicher Hafen bereits 242 solarüberdachte Stellplätze mit Ladepunkten errichtet; der Ausbau auf 600 ist geplant. Rund 60 Prozent des Fahrstroms des E-Kats sollen aus selbst erzeugtem Solarstrom stammen. „Unser Ziel ist die CO²-freie Inselversorgung. Dass wir dafür heute den Ministerpräsidenten, den Umweltminister, die DBU, Volkswagen und die Wissenschaft an einem Tisch – und einer Ladesäule- haben, zeigt, welche Strahlkraft dieses Projekt inzwischen hat“, erklärte Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann.
Anreize für Fahrzeughalter
Die wissenschaftliche Begleitung liegt bei der Hochschule Osnabrück, die 2012 die weltweit ersten bidirektionalen CCS-Schnelladesäulen gebaut hat und diese Technologie bis heute als führender Innovator weiterentwickelt, so die Mitteilung. Untersucht wird im Projekt auch durch Prof. Dr. Kai-Michael Griese von der Hochschule Osnabrück, welche Anreize Urlaubsgäste erhalten sollen, die ihr Fahrzeug während des Inselaufenthaltes als Speicher zur Verfügung stellen – von Ladeguthaben bis zu vergünstigten Überfahrten.
Beitragsbild: Nahmen den ersten Prototyp der Ladesäule in Betrieb (von links): Umweltminister Christian Meyer, Ministerpräsident Olaf Lies, Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann, Enno Fehse, Leiter des Volkswagen Werks Emden, Alexander Bonde Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, und Prof. Hans-Jürgen Pfisterer, Hochschule Osnabrück, . Foto: Reederei Norden Frisia






