„So schön wird es nie wieder“, sagen die Mitarbeiterinnen von „L&L“ Moden. Die Atmosphäre in der Damenboutique ist aber auch wirklich etwas ganz Besonderes. Wer das Ladengeschäft an der Ecke der Poststraße zur Kirchstraße betritt, wird von einer fröhlichen Wärme, von einem Lachen und von farbenfroher Vielfalt empfangen.
Geschäftsaufgabe
Doch seit einigen Wochen ist auf einem großen Schild im Schaufenster „Geschäftsaufgabe“ zu lesen. So endet wieder ein Norderneyer Traditionsbetrieb. Noch bis Ende Januar ist die Damenboutique mit angeschlossenem Schuhladen geöffnet. Dann schließen sich nach 55 Jahren die Türen. Ein neues Bekleidungsgeschäft soll an die Stelle von „L &L“ kommen.
Chefin Marion Gronewold hat 1970 mit 15 Jahren ihre Lehre bei „Lady & Lord“ begonnen. Vorher war sie sich noch nicht sicher, welche Ausbildung sie wählen sollte – „Kosmetik oder Klamotte“, erinnert sich die heute 70-Jährige.
Laden umgemodelt
Dann ging die junge Norderneyerin mit ihrer Mutter Luise Martens durch die Innenstadt und betrat das Eckgeschäft in der Poststraße. Damit war die Entscheidung getroffen: Sie blieb den Klamotten treu. Nach der Ausbildung und 15 Jahren Berufserfahrung übernahm sie das Geschäft und führte es 40 Jahre lang selbstständig – in ihrem eigenen Stil. „Ich habe den Laden umgemodelt“, sagt Marion Gronewold. Die etwas steife, englische Burberry-Mode ersetzte sie durch einen sportlichen, schicken Stil. 2015 flogen die Männer raus, also natürlich nicht als Kunden, sondern das Geschäft wurde zur reinen Damenboutique und hieß ab da „L & L“.
Das familiäre Team von L&L Moden (von links): Sylvia Metker, Chefin Marion Gronewold, Beate Kramer und Anna Spilak.
Beate Kramer arbeitet seit gut fünf Jahren bei „L & L“. Die Schwiegertochter der Chefin, Anna Spilak, kam bereits 2014 mit ins Geschäft. 2020 schloss der angrenzende Schuhladen und wurde kurzerhand integriert – und die langjährige Verkäuferin Sylvia Metker wurde gleich mit übernommen. Doch sie gehörte praktisch schon vorher zur Familie.
Tolle Nachbarschaft
Denn im Hinterhof trafen sich die Frauen oft mit Nachbarn zum Grillen oder Sekt-Trinken. Auch mit Elfi Windhorst, die eine Tür weiter bis 2021 das Miederfachgeschäft führte, gab es besten Kontakt. Man half sich aus, vertrat auch mal die andere und feierte zusammen. Die Nachbarschaft war toll. Unterstützung bekam Marion Gronewold in den ersten Jahren auch von ihren Eltern Luise und Wattführer Willy Martens, die ihre zwei Söhne betreuten, wenn es nötig war. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen.
In den Jahren ist sie ihrem Stil treu geblieben. Und auch viele Stammkunden blieben – darunter viele Norderneyer, aber auch Gäste. Marion Gronewold erinnert sich an manche Prominente wie Hardy Krüger, Heinz Schenk oder Otto Waalkes.
Schwarz ist eine helle Farbe
Zweimal jährlich ist Marion Gronewold früher zur Messe gefahren und sie stellt fest: Es kommt alles wieder, nur die Qualitäten sind heute besser. Sie selbst hat ihren Stil geändert: „Früher war ich in pinky und hinky, aber das ist vorbei“, sagt Marion Gronewold. Heute stechen bei aller farbenfroher Üppigkeit im Geschäft die Verkäuferinnen durch ihre Kleidung heraus. Denn alle vier sind im Grundton schwarz gekleidet – ohne sich abzusprechen. „Schwarz ist eine helle und freundliche Farbe“, sagt die Chefin. „Und es passt zu allem“, ergänzt Anna Spilak.
Dekoration wechselt oft
Eine originelle Eigenart der Chefin führt bei den Verkäuferinnen jeden Tag zu Überraschungen: Marion Gronewold dekoriert und räumt gern um. Und nicht selten kommt sie morgens ins Geschäft und erzählt, was sie geträumt hat. Dann werden die Schaufenster nach ihren Träumen neu gestaltet. Und die sind immer wieder fein mit Kleidung Ton in Ton abgestimmte Hingucker.
Neubeginn für alle vier
Noch wenige Wochen verkaufen die vier Frauen in dem Geschäft, derzeit vieles zu Sonderpreisen. Drei von ihnen werden anderswo auf der Insel neu beginnen. Die junggebliebene Marion Gronewold wird mit ihrem Mann das Leben und das Haus im Süden genießen. Drei Enkelkinder und ein Hund brauchen ebenfalls ihre Zeit. „Ich gehe in eine schöne Zukunft“, sagt sie voller Vorfreude. (vel)