
News von Norderney
03.08.2025

Vier Richtfeuer
Orientierung für die Schiffe bieten die rot-weißen Richtfeuer, die seit dieser Saison die Hafenzufahrt in Norddeich markieren. Wie die Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) mitteilt, sind die vier Richtfeuer jetzt komplett erneuert worden. Tagsüber sind sie Orientierungslinien für die Schiffe. Im Dunkeln weistt LED-Technik den Weg in den sicheren Hafen. Je zwei der gestreiften Türme, die mit Plattformen für Wartungszwecke ausgestattet sind, bilden eine Richtfeuerlinie.
Wellen und Witterung ausgesetzt
Dies war auch schon seit Jahrzehnten so. 60 beziehungsweise 47 Jahre haben die beiden alten Richtfeuerlinien der Hafenzufahrt in Norddeich den Wellen und der Witterung getrotzt, so die Mitteilung von NPorts. Doch dann wurden ihre Abnutzungserscheinungen zu gravierend. Und so stand eine umfassende Erneuerung an, die bereits im vergangenen September begann.
Navigationshilfsmittel
„Eine Richtfeuerlinie ist ein wichtiges Navigationshilfsmittel für die Schifffahrt“, so die Erklärung von NPorts. „Sie dient dazu, Schiffen die Fahrrinne, also den tiefen, sicheren Wasserweg, aufzuzeigen und eine sichere Navigation durch eine ungerade Hafeneinfahrt wie in Norddeich zu ermöglichen.“ Dies sei besonders bei schlechtem Wetter, in der Nacht oder bei dichtem Nebel wichtig, um Unfälle wie Grundberührungen oder Kollisionen mit Hindernissen zu vermeiden.
Unterfeuer und Oberfeuer
Eine Richtfeuerlinie besteht aus zwei festen Leuchtfeuern: Das Unterfeuer ist ein niedrigeres Licht, das näher an der Fahrrinne steht. Das Oberfeuer ist ein höheres Licht, das etwas weiter entfernt ist. In Seekarten sind die Kennung sowie die genaue Ausrichtung der Richtfeuerlinien vermerkt.
„Wenn beispielsweise eine Kapitänin auf einem Schiff diese beiden Lichter genau übereinander sieht, bedeutet das, dass das Schiff auf dem sicheren Kurs ist.“ In Norddeich stammten die alten Richtfeuer 1 und 2, die den Schiffen den Weg aus dem Hafen heraus weisen, aus dem Jahr 1977. Die alten Richtfeuer 3 und 4, die den Weg zum Hafen weisen, stammten aus dem Jahr 1964.
Dieses NPorts-Team sorgte dafür, dass den Schiffen in Norddeich weiterhin zuverlässig der sichere Weg gewiesen wird (von rechts): Bauleiter Immo Remmers, Thole Saathoff, Holger de Vries und Reno Heddinga vom Technischen Service. Foto: Kai-Uwe Saathoff/NPorts
Besondere Herausforderung
Der Neubau stellte die beteiligten Firmen vor besondere Herausforderungen, berichtet NPorts. Im Herbst hat die Firma Heuvelman Ibis aus Ostfriesland die neuen Spundwände und die Pfahlbauten gerammt. Die Spundwände dienen zum Einfassen des Kolkschutzes und damit zum Schutz des Richtfeuers. „Um ein Rammen der Spundwände zu ermöglichen, mussten zunächst die vorhandenen Seekabel hinausgezogen werden.
Danach wurden die Seekabel sicher in neuen Kabelschutzrohren verlegt“, erläutert Immo Remmers von der NPorts-Niederlassung Norden, der die Bauleitung innehatte. Im Anschluss wurden die Schaltschränke an den Türmen eingebaut, ehe Elektrotechniker Thole Saathoff mit seinem Team, ebenfalls von der Niederlassung Norden, die LED-Lichter einsetzte.
Spezielles Justiergerät
So einfach wie beim Einschalten privater Lampen daheim verhalte es sich mit den Richtfeuern aber nicht: „Die Position der Lichter muss mithilfe eines speziellen Justiergeräts exakt bemessen und eingestellt werden“, erklärt Saathoff. „Hierzu sind wir im engen Austausch mit den zuständigen Ämtern und Behörden.“
Wer in Deutschland eine Richtfeuerlinie erneuern will, stehe vor einer weltweit einmaligen technischen Herausforderung. „Während es in anderen Ländern in Ordnung ist, ein einzelnes defektes Richtfeuer zu warten, gilt hierzulande: Wenn das Ober- oder Unterfeuer ausfällt, so muss auch das intakte andere Feuer der betroffenen Linie ausgeschaltet werden“, erklärt Saathoff. Dadurch soll vermieden werden, dass jemand Lichtspiegelungen auf der Wasseroberfläche für das zweite Licht der Richtfeuerlinie hält und somit womöglich auf einen falschen Kurs gerät.
Die neuen Türme sind mit Plattformen für Wartungszwecke ausgestattet und verfügen über verbrauchsarme LED-Technik. Foto: Jantje Ziegeler/NPorts
Über Seekabel aktiviert
Weltweit können die jeweils Verantwortlichen die Richtfeuer über das Mobilfunknetz steuern. Wenn eines der beiden Feuer ausfällt, sei aber nicht vorgesehen, dass man über diese Funktechnik auch das andere, intakte Licht ausschalten kann – außer in Deutschland bestehe dazu keine Notwendigkeit. „Deswegen müssen wir unsere Richtfeuer über Seekabel aktivieren“, fährt Saathoff fort. „Sie überwachen sich über diese Kabel auch gegenseitig. Sobald die Strahlkraft einer der LED-Lichter einen bestimmten Wert unterschreitet, schaltet sich das Leuchtfeuer aus – das andere in der Folge auch. Über die Funktechnik würde das nicht funktionieren.“
1,1 Millionen Euro
Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei 1,1 Millionen Euro, so NPorts. „Insbesondere die exponierte Lage im Wattenmeer östlich des Leitdammes in Norddeich hat die Baumaßnahme zeit- und kostenintensiv werden lassen“, erklärt Remmers. „Das Verholen zwischen den vier Richtfeuer-Standorten war bei den landseitigen Richtfeuern aufgrund des Tiefgangs der Schiffe nur bei erhöhtem Tidehub, also einer ausreichenden Wassertiefe, möglich.“
Beitragsbild: Die neuen Richtfeuer 1 und 2, die den Schiffen den Weg aus dem Hafen Norddeich weisen. Foto: Immo Remmers/NPorts








