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Die Geschichte
Norderneys

Die Geschichte der Nordseeinsel Norderney ist vor allem die Geschichte des Seebades, welches 1800 als erstes deutsches Nordseebad gegründet wurde. Der Medizinalrat Dr. Wilhelm von Halem forderte bereits 1797 die Errichtung einer Badeanstalt auf der Insel, weshalb oft das Jahr 1797 als Gründungsjahr angesehen wird. Vom Gründungswillen bis zur vollständigen Finanzierung der Seebadeanstalt brauchte es jedoch drei Jahre. Bis zur Gründung des Seebades lebten die wenigen Insulaner ausschließlich vom Fischfang, die Lebensbedingungen waren sehr hart und nicht zu vergleichen mit den paradiesisch anmutenden Verhältnissen auf dem Festland.

Gründung des Seebades auf Norderney – französische Besatzung
Bereits kurz nach der Gründung musste das Seebad einen herben Rückschlag hinnehmen, denn 1805 kamen aus Kriegsfurcht kaum noch Gäste auf die Insel. Anschließend wurde Norderney von 1806 bis 1813 von französischen Truppen besetzt. Zeugnis der französischen Besatzung sind die Napoleonschanze an der Mühle und viele Flurnamen, wie die Soldatendüne in der Nähe des Campingplatzes Um Ost. Die Besatzer kontrollierten von dort aus den Kutschverkehr über das Watt.

 

Auch der Name Zuckerpad stammt aus der Franzosenzeit – er bezeichnete den Schmuggelweg der Insulaner, um die Blockade der napoleonischen Truppen zu durchbrechen.

Selbst in der Literatur ist die Franzosenzeit auf Norderney festgehalten: Sophie Wörishöffer wurde von der Insel und ihren Geschichten zum fiktiven Roman „Onnen Visser. Der Schmugglersohn von Norderney“ inspiriert. Die Insulaner ehrten sie mit dem Onnen Visser Platz. Der Roman von Wörishöffer beschreibt sehr genau das Leben in Norddeutschland und auf Norderney zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Lesetipp:
Sophie Wörishöffer, Onnen Visser. Der Schmugglersohn von Norderney

Hannoversche Zeit auf Norderney

Die Glanzzeit des Seebades beginnt mit der hannoverschen Verwaltung. Auf dem Wiener Kongress (1815) wurde Ostfriesland dem Königreich Hannover zugeordnet, sodass das wiedereröffnete Seebad Norderney nach 1819 als königliche Seebadeanstalt betrieben wurde. Der Badebetrieb veränderte maßgeblich die soziale und wirtschaftliche Struktur der Insel. In den folgenden Jahren wurden das Konversationshaus, das Basargebäude und das Kurhotel gebaut. Die Insel wurde zur Sommerresidenz von Georg V. von Hannover und somit zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Königreiches.

Norderney unter preußischer Herrschaft
Durch die Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen wurden auch die Insel und das Seebad preußisch. Die Annexion wirkte sich auf Norderney sehr positiv aus: Die Freizügigkeits-Beschränkungen wurden aufgehoben und eine Niederlassungs- und Gewerbefreiheit eingeführt. Die Konjunktur der Insel erlebte einen Aufschwung, die Einwohnerzahl stieg auf über 4.000 und die Zahl der Badegäste bis zum Ende des Jahrhunderts auf 25.000 pro Jahr.

Ein riesiger Bauboom veränderte das Bild der Insel, zum Beispiel wurde das Seebad vom Fischerdorf zum mondänen Bad mit klassisch-weißer Bäderarchitektur. Der Bau der Bremer Häuser 1883 markierte den Anfang der Bebauung der Kaiserstraße, die sich mit der mondänen Seebäder-Architektur bis zur Viktoriastraße fortsetzte.

Von 1906 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte Reichskanzler von Bülow seinen Sommerwohnsitz auf der Insel – wieder wurde Norderney zum gesellschaftlichen und politischen Mittelpunkt seiner Zeit. Viele außenpolitische Krisen wurden, wenn sie in den Sommer fielen, von Norderney aus politisch bearbeitet – der Sansibar-Vertrag über den territorialen Austausch des Caprivizipfels sei hier nur als Beispiel erwähnt.


Norderney im Ersten Weltkrieg

Der Beginn des Ersten Weltkriegs stellt die größte Veränderung in der jüngeren Geschichte der Insel dar. Der Krieg führte zu einem radikalen Bruch und die Vergangenheit hatte keine Relevanz mehr für die Inselbewohner. Vollständig erholt hat sich die Insel von der tiefgreifenden und grundlegenden Veränderung eigentlich erst in den 70er Jahren.

 

Sehr anschaulich ist der Bericht von Siever Johanna Meyer: 

„Nach dem 25. Juli reisten die Österreicher ab. In wilden Strudel stürzte alles zum Hafen. Die Schiffe waren schwarz von Menschen nur fort, nur nach Haus! Die Verwirrung wurde noch größer, als das Inselkommando anordnete alle Fremden hätten die Insel zu verlassen. Wir waren oben auf dem Schiff und hörten dem Kauderwelsch der vielen fremden Sprachen zu. Und wie viel Personal – Kellner, Köche, Mädchen –, wie viel Musikanten waren auf dem Schiff. Und alle hatten Gepäck! Eine unheimliche Menge von Koffern und Paketen, Kisten und Körben wurde in Norddeich abgeladen. Es hat dort tagelang auf der Hafenmauer gestanden. Nach und nach nur konnte man diese Berge fortschaffen. Am 10. August wurde das Bad offiziell geschlossen. Zum ersten Mal seit undenklichen Jahren war mitten im Sommer keine Saison.“

Lesetipp:
„Die Nordseeinseln – ein Heimatbuch“ von Albrecht Jassen und Wilhelm Lobsien,1928

Zwischenkriegszeit

Die ersten Badegäste waren bereits 1919 wieder da, jedoch führten die Not der Kriegsjahre und die allgemeine Situation zu einem sehr verhaltenen Start. Waren es in der letzten Saison vor dem Krieg noch 40.000 Besucher, kamen in der Saison 1919 lediglich 14.000 Kurgäste. Nun fährt der Norddeutsche Lloyd Norderney in den Sommermonaten auf direktem Seeweg von Bremerhaven über Helgoland an und der Insel-Tourismus beginnt langsam wieder zu boomen. Viele Hotels, Pensionen und Logierhäuser bieten Zimmer an. Auch das gesellschaftliche Leben am Strand, der Promenade, in den Strandhallen und im Conversationshaus findet zurück zu alter Größe.

 

Die Insel hat nun neben einer Synagoge und koscheren Lebensmittel auch ein Hotel unter jüdischer Leitung, welches auf Hebräisch wirbt. Die Vorsaison ist zu dieser Zeit von Mitte Mai bis Juni, die Hauptsaison von Mitte Juni bis September und die Nachsaison von September bis Oktober. 1931 wird das Wellenbad als das erste seiner Art eröffnet. Schwere wirtschaftliche Depressionen lassen die Besucherzahlen stark sinken, zeitweise gehen sie auf 15.000 zurück. 1939 folgt dann die Rekordsaison mit 48.000 Gästen – so viel wie nie zuvor.

Nachkriegszeit - Gegenwart

Mit dem 8. Mai 1945 beginnt auch auf Norderney die Nachkriegszeit. Der Kommandant der Insel übergibt die Seefestung Norderney an die kanadische Armee. Zunächst werden die vielen Betten in den Hotels für die Aufnahme von Flüchtlingen genutzt und im Germania Hotel in der Kaiserstraße ein Erholungszentrum für britische Soldaten eingerichtet. Kurz nach dem Krieg blüht der Schwarzhandel auf der Insel – erst die Währungsreform 1948 lässt eine geregelte Wirtschaft wieder zu. Bereits 1949 kamen wieder 29.000 Badegäste.

Seit den 50er Jahren geht es stetig bergauf mit den Gäste- und Übernachtungszahlen. Die Art der Übernachtung hat sich allerdings geändert: Während kurz nach dem Krieg die Übernachtung in Pensionen und Hotels der Standard war, sind im Laufe der Jahre immer mehr Ferienhäuser und Ferienwohnungen entstanden, denen viele kleine Gasthäuser und Frühstückspensionen zum Opfer gefallen sind. Das ehemals niedersächsische Staatsbad wurde kommunalisiert und hat es seitdem, mit vielen Investitionen in die Infrastruktur, geschafft, Norderney zum führenden Nordseebad in Ostfriesland zu machen.

 

Auf Zeitreise gehen

Ein besonderes Erlebnis für historisch Interessierte bietet Ihnen unsere Geolocation-Funktion in unserer Norderney Zimmerservice App. Diese benachrichtigt Sie via Push-Mitteilung, wenn Sie bei Ihren Unternehmungen auf der Insel an einem Ort vorbeikommen, der zur virtuellen Zeitreise einlädt. Lassen Sie die effektvolle Kombination aus historischen Aufnahmen und Neuzeit-Perspektive auf sich wirken!

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