News von Norderney

Norderney Inside

09.07.2014
SH Norden

Das echte Norden liegt im Süden

Norden Werbekampagne

Norden / Norderney – „Schleswig Holstein: Der echte Norden“ so lautet eine neue Werbekampagne des nördlichsten deutschen Bundeslandes. Ein Ziel hat die Kampagne erreicht: Aufmerksamkeit. Richtig Glück haben die Holsteiner in ihrem Glückswachstumsgebiet aber nicht, die dänischen Nachbarn laufen Sturm, schließlich liegen sie noch weiter im Norden.

SH NordenNorden im Süden

Das echte Norden liegt jedenfalls von Norderney aus gesehen im Süden – Norderney ist also so etwas wie der echteste und wahrste Norden (nördlicher als Norden!). Letztlich bleibt abzuwarten, ob die Touristiker aus dem ehemaligen Land der Horizonte nun mit dem Spruch „Der echte Norden“ und dem Spielen mit dem Begriff Glück Erfolg haben werden. Auf jeden Fall sehen die Bilder gut aus – aber die gibt es auch im ganzen Norden.


Norden und der Altkreis Norden – Aus Sicht der Norderneyer Insulaner

Für die Insulaner von Norderney ist die Stadt Norden mehr als nur ein geografischer Punkt auf dem Festland. Sie ist das „Tor zur Insel“, Versorgungszentrum, Verwaltungssitz und für viele auch ein Stück Heimat jenseits des Meeres. Die Beziehungen zwischen Norderney und dem Altkreis Norden sind historisch gewachsen, eng verflochten – und manchmal auch von einer gewissen Distanz geprägt.

Norden: Das Tor zur Insel

Wer von Norderney spricht, meint oft auch Norden. Denn hier, im Hafen Norddeich-Mole, beginnt oder endet für jeden Insulaner und Gast die Reise über das Wattenmeer. Die Stadt selbst ist für viele Norderneyer der Ort, an dem man größere Einkäufe erledigt, zum Arzt geht oder Behördengänge macht. Früher war es üblich, dass Insulaner in Norden zur Schule gingen oder dort ihre Ausbildung machten.

Der Altkreis Norden – mit seinen Dörfern wie Hage, Marienhafe oder Osteel – war jahrhundertelang das Hinterland der Insel. Hier lebten Verwandte, hierher wurden Waren geliefert und von hier kamen viele Arbeitskräfte nach Norderney, besonders in den Sommermonaten.

Verwaltung und Identität

Bis zur Gebietsreform 1977 gehörte Norderney verwaltungstechnisch zum Landkreis Norden. Viele ältere Insulaner sprechen noch heute vom „Altkreis“ und meinen damit nicht nur eine Verwaltungseinheit, sondern ein Stück gemeinsamer Geschichte. Die Bindungen sind eng: Familienbande reichen über das Wasser hinweg, Feste werden gemeinsam gefeiert und so manche Tradition hat ihren Ursprung auf beiden Seiten des Wattenmeers.

Gleichzeitig gibt es aber auch eine gewisse Eigenständigkeit: Die Insulaner sehen sich als etwas Besonderes – geprägt vom Leben mit Wind und Wellen, stolz auf ihre Unabhängigkeit und ihre eigene Identität.

„Nörder Stuff“ – Wenn das Festland zu riechen ist

Ein ganz besonderer Ausdruck verbindet Norderney mit Nor.den: „Nörder Stuff“ (auch „Nörder Stoff“ geschrieben). Dieser alte ostfriesische Begriff beschreibt einen Südwind – also Wind aus Richtung Süden –, der den Duft des Festlands bis auf die Insel trägt. Für die Norderneyer bedeutet das: Man kann das Festland förmlich riechen! Es ist ein Geruch nach Erde, Feldern und manchmal sogar nach Gülle – eben typisch ostfriesisch.

Im übertragenen Sinne steht „Nörder Stuff“ aber auch für alles, was vom Festland kommt: Nachrichten, Besucher, Waren oder einfach das Gefühl der Nähe zur Heimat jenseits des Meeres. Unter Insulanern sagt man dann augenzwinkernd: „Heute is weer Nörder Stuff!“ – und meint damit nicht nur das Wetter, sondern auch die Verbindung zu den Wurzeln auf dem Festland.

Manche sagen sogar scherzhaft: „Nörder Stuff is Norderney Stoff.“ Damit wird deutlich gemacht, wie sehr die Insel vom Austausch mit dem Festland lebt – sei es durch frischen Wind oder durch menschliche Begegnungen.

Die Beziehung zwischen Norderney und der Stadt Nor.den sowie dem Altkreis ist vielschichtig: geprägt von gegenseitiger Abhängigkeit, familiären Verbindungen und einer gemeinsamen Geschichte. Der Begriff „Nörder Stuff“ bringt diese besondere Verbindung auf den Punkt – er steht für Windrichtung, Geruchserlebnis und kulturelle Nähe zugleich. Für die Insulaner bleibt Norden immer ein wichtiger Bezugspunkt – ob als Tor zur Welt oder als vertrautes Stück Ostfriesland am anderen Ende des Wassers.

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