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14.07.2021
ATSO Deutscher Wetterdienst

Neue Sonden-Station am Januskopf

Schneeweiß statt Sandgelb ist der Container, der seit dieser Woche auf Norderney steht. Auf dem Gelände des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird in diesen Tagen eine neue Sonden-Station am Januskopf eingerichtet.

Die neue automatische Radiosondenstation (ATSO) ersetzt bald die bisherige gelbe Station. Von dieser wurden seit 2011 täglich Wetterballone im Auftrag des DWD in den Himmel geschickt. Auch von der neuen ATSO starten bald die großen weißen mit Helium gefüllten Ballone mit ihren Sonden. Diese sind mit GPS ausgerüstet und senden während ihres Fluges Daten an den DWD. Gemessen werden Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Das Zeitraffer-Video zeigt einen Teil des Aufbaus auf dem Gelände am Januskopf. Video: Frank Kahl

Am Dienstag haben Mitarbeiter der Norderneyer Kranbetriebe der Firma Jakob Onnen den neuen Seecontainer aufgestellt. Und die Monteure der finnischen Herstellerfirma Vaisala und Techniker des DWD begannen mit der Errichtung der neuen Autosonde AS41.

Neue Mess-Station am Januskopf mit 60 Gespannen statt 24

Auf das Grundgebäude kommen unter anderem der sogenannte Launcher, aus dem der Ballon startet, und eine Antenne. Im Inneren installieren die Fachleute in dieser Woche die Technik. Der neue Container ist größer als der alte. Und er enthält statt eines Drehtellers mit 24 Sonden eine Art Regal mit 60 Gespannen, erzählt Frank Kahl, Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes. Da jeden Tag zwei Sonden in die Luft gehen, müssen diese Gespanne in Zukunft nur noch einmal im Monat statt wie bisher alle zwölf Tage aufgefüllt werden.

Zwei Ballone gleichzeitig

Täglich um 10.45 und um 22.45 Uhr (Weltzeit) startet ein Ballon und fliegt bis auf etwa 30 Kilometer Höhe. Zur Sommerzeit kann man den Start um 12.45 und 0.45 Uhr beobachten. In der Winterzeit starten die Ballons um 11.45 und 23.45 Uhr. Und jetzt können Freunde der Wetterstation sogar für mehrere Wochen zwei Ballons gleichzeitig aufsteigen sehen.

Frank Kahl rechnet Mitte der Woche mit dem ersten Start aus der neuen Station. Und solange die neue noch im Testbetrieb ist, läuft die alte Station noch weiter. Was mit der gelben Station passiert, kann Frank Kahl noch nicht sagen. Klar ist aber, dass es Zeit für einen Ersatz war. Denn die Nordseeluft setzt dem Material im Laufe der Zeit stark zu.

Bald starten die Ballons also aus einem weißen Container. Der Ablauf bleibt dann aber gleich. Nach etwa 30 bis 35 Kilometern haben die Ballone einen Durchmesser von etwa 18 Metern. Dann ist die Hülle so dünn, dass sie platzt. Und die mitgeführte Sonde hat ihre Schuldigkeit getan. Sie sinkt an einem kleinen Fallschirm auf die Erde zurück.

Von diesen ATSO betreibt der Deutsche Wetterdienst deutschlandweit sieben Stück sowie zwei Aufstiegsstandtorte mit manuellen Ballonstarts. Die Norderneyer Radiosondenstation ist die einzige im Nordwesten Deutschlands. Neun weitere manuelle Standorte gibt es von der Bundeswehr.

Austernfischer im Angriff

Frank Kahl freut sich schon auf den ersten Start aus dem neuen ATSO und auf die parallel aufsteigenden Ballons. Er ist begeisterter Fotograf und Filmer und er hat auch den gesamten Aufbau dokumentiert.

AusternfisscherAusternfischer können ganz schön laut sein – und wenn sie gestört werden, auch recht aggressiv.

Doch das geplante Filmen am Dienstag mit seiner Drohne hat er schnell abgebrochen, erzählt er. Denn die Austernfischer waren bereits im Angriffmodus gegen den vermeintlichen Feind. Austernfischer sind nicht nur laut, sondern auch stark – und sie haben lange Schnäbel. Und eine abstürzende Drohne wollte Kahl dann doch nicht riskieren – auch wenn die Fotos noch so schön gewesen wären.

 

Fotos: Frank Kahl /Deutscher Wetterdienst (DWD)